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HIMMEL UND ERDE

Gerhard van der Grinten
über Bilder und Objekte von Klaus Fabricius

Galerie Dorn | Planckstrasse 123 | 70184 Stuttgart | 2001

Und die Götter stehen staunend dabei und erkennen, wie weit schöner die Venus von Melaos ist, als es ihre eigne Eva war.“ James McNeill Wistler

Klaus Fabricius nimmt die Schärfe beim Wort, im Scharfblick, im Biss, zu weilen in gerechtem Zorn. Und schweigt nicht still zur Welt und ihren Wechselspielen, entlarvt, hintersinnig, manches goldene Kalb als anfällig für gewitzte Anschläge. Ähnlich, wie es schon DAda und Pop-Art in der Verbindung von scheint’s Unpassendem taten, dem Banalen unvermuteten Mehrwert und Nahrhaftigkeit verliehen, den Ikonen der Gesellschaft, des Establishments und, den Philistern den Nimbus nahmen. Er bedient sich des Arsenals der Bilder und der elektronischen Medien gleichermaßen und siehe da, die Zwitterwesen, die Chimären, die er da entstehen lässt, sind ausgesprochen lebensfähig, oftmals heiter, manche lyrisch, und nicht selten bitterböser Kommentar. Da ist Marilyn von hinten und Catholic Girls von vorn, Ingres Quelle, ihr Teich ein Leuchtbild, angemalt. Blumen, photographiert, deren Dolden sich plastisch als papierene komplettieren. Anderen wächst messerscharfes Geblätter aus dem Rachen. Eine blankgeputzte Kohlenschaufel präsentiert das Höllenfeuer das allerdings elektronisch leuchtet, flackert im elektronischem Wind. Und ein Ventilator lässt im Raum die Sehnsucht wehen. Reaktionen per Bewegungsmelder und auf Knopfdruck, manche treffen den Betrachter, ohne dass er auf die Auslösung Einfluß hätte. Per Multiplex läßt sich eine Deutschlandbild aus Einmachgläsern destillieren, sorgsam ausgewählte Tonkonserven. Und das Brandenburgertor wird breit, nicht stark. Goldene Reliquienkästchen sind ebenso Bestandteil und Erinnerung unserer kollektiven Gedächnisse, doch hier Dow Jones, rücken sie durchaus in lästerliche Nähe und öffnen die Augen für den Sinn hinter dem Sinn. Eines sieht zurück, ein flimmernder Kunstblick und der verdeutlicht besser als jede Erklärung, was so virtuos aus dem Bekannten Unverhofftes macht: die Fähigkeit der Kunst-Kraft ihres Seins und ihrer Selbst uns einen völlig neuen Blick zu implantieren.

©  http://fabricius.no-art.info/ausstellungen/2001_dorn.html